Mein erster Feuerlauf

Ich gebe es zu, so ohne war es für mich nicht, mich Barfuss über die Glut zu wagen. Einige Tage vor dem Ereignis wurde ich nervös und begann an mir zu Zweifeln. Ja, diese Zweifler. Ich versuchte sie anzunehmen und mir gleichzeitig Mut zuzusprechen, dass man schon seit jeher übers Feuer läuft und dies ungefährlich ist. 

Dann kam der Tag, wo ich im Baselland, irgendwo in den Hügeln des Jura, in einer Skihütte mit 20 anderen Gleichgesinnten zusammentraf.  Wir waren ungefähr gleichviel Männer wie Frauen, die zwischen 30 bis 60 Jahre alt waren. Die meisten waren das erste Mal an einem Feuerlauf. Mit Galgenhumor und Witze versuchten wir noch unsere Ängste etwas zu verbergen. Aber Thomas, der Kursleiter, bittet uns bald zusammenzukommen und erklärt die Regeln. Er betont, dass alles freiwillig ist und dass niemand zu etwas überredet wird, etwas zu tun, das er nicht machen möchte. Dann wurden wir schon mit ersten Übungen konfrontiert um unsere Komfortzonen zu verlassen. Als erstes wurden uns geröstete Heuschrecken und Grillen serviert. Ja, sie sind essbar. Aber ungewürzt nicht wirklich eine Delikatesse. Noch mit Heuschreckenflügeln zwischen den Zähnen ging es zu nächsten Übung. Auf ein Brett schreiben wir Sachen, die wir loslassen wollen. Das Brett wird später dem Feuer übergeben. Aber zuvor durften wir mit einem Karateschlag, das Brett entzwei teilen. Auf zwei Böcklein aufgestützt lag jetzt das Brett vor mir. Der Kursleiter gab uns den Hinweis uns zu visualisieren, wie die Hand schon unter dem Brett ist. Also kurz und schmerzlos durch, keine Blösse zeigen, dachte ich. Zackig ausholen und Augen zu - und das Brett ging zu Bruch. 

Die nächste Übung machte mir schon mehr Bauchweh. Es ging darum einen Pfeil in der Vertiefung unter dem Kehlkopf zu platzieren und dann Druck zu geben bis der Pfeil zerberstest. Der Kursleiter macht es vor und ich komme gar nicht nach mit schauen, so schnell ging es. Die ersten Teilnehmer melden sich und bringen den Pfeil auch erfolgreich zum zerbrechen. In mir sträubt sich noch viel gegen diese Übung. Aber nachdem immer mehr ihre zweigeteilten Pfeile in den Händen halten, habe ich mich auch gewagt. Schlag auf Schlag ging es weiter. Diesmal durften wir über Scherben gehen. In drei grossen Becken lagen Glasscherben vor uns. Und damit alle sehen, dass es mit rechten Dingen zu und her geht, wurden gleich noch einige Weinflaschen zertrümmert und beigefügt. Als Thomas es vorführt, wie er langsam einen Fuss nach dem anderen in die Glasscherben setzt, entsteht ein knirschendes Geräusch, das alles in mir zusammenzieht. Der Ton geht bin in die Knochen und lässt mich zweifeln. Aber so eine Gruppe ist wirklich etwas tolles. Da wagen sich einige Kühne und machen es vor, dass es möglich ist. Und so getrauen sich nach und nach alle der Gruppe über die Glasscherben zu gehen. 

Jetzt geht es darum, das Feuer aufzuschichten und anzuzünden. Mit viel Papier und den zerteilten Brettern fangen die grossen Holzscheite schnell Feuer und der grosse Haufen brennt lichterloh. Viel Zeit bleibt uns nicht um dem Feuer zuzuschauen. Gemäss Thomas geht es jetzt genau zwei Stunden, bis das Feuer heruntergebrannt ist und wir dann darauf gehen können. Es stehen aber noch weitere Vorbereitungen an. So spielen wir mit dem Feuer, einige versuchen es mit Feuerspucken (mit Bärlappsporen) und Seilspringen mit einem brennenden Seil. Auch stehen wir noch auf ein Nagelbrett und üben trocken, wie wir übers Feuer gehen. Für mich waren diese Übungen nicht mehr bedeutend. Denn nachdem ich den Pfeil zerbrochen habe und über Scherben ging, wusste ich, dass ich auch über die Glut gehen kann. 

 Und so kam der Höhepunkt. Wir gingen zum Feuer, bzw. zu dem was übrig blieb. Vor uns war ein drei Meter langer Glutteppich. Die Glut wurde noch vorbereitet; zerkleinert und flachgedrückt. Und dann ging es los. Kurz hat es bei uns allen nochmals  Überwindung gebraucht bis wir in schnellen Schritten über den heissen Tippich gingen. Aber mehr war es wie nicht. Ein heisser Teppich. 

Wir alle waren danach sehr stolz, dass wir über die Glut gegangen sind. In mir hat sich ein berauschendes Gefühl breitgemacht, das sich mit Stolz vermischte. 

Wir haben es geschafft! Wir sind Feuerläufer! 

Ich kann ein Feuerlauf und auch die anderen Übungen sehr empfehlen. Es zeigt auf, dass wir uns die Grenzen viel zu eng setzen. Es ist viel mehr möglich. Also breche aus deiner Komfortzone aus, probiere etwas - du und ich wir können es! 

Ich danke Thomas Hofmeier für das tolle und bleibende Erlebnis. Thomas ist ausgebildeter Feuerlauftrainer. Er bietet einmal jährlich ein Feuerlauf an. 

 

« Sandra Dopple